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Der Streit um die Eigentumsfrage

Allerdings zeigte sich schon von Beginn an eine grundsätzliche Differenz unter der Linken in der Eigentumsfrage, auf die wir uns hier konzentrieren wollen. Einig war sich die Bewegung im Kampf gegen das in der Revolution zur politischen und ökonomischen Herrschaft gelangte Großkapital. Aber sie war sich uneinig in Hinsicht auf die Eigentumsordnung, die man selbst anstrebte.

Für die eine Richtung innerhalb der Linken, den sogenannten „Jakobinern“, war das durch die eigene Arbeit erworbene Privateigentum ein gleichsam natürliches Recht, das jedoch durch die Konkurrenz mit den großen Kapitalisten auf dem freien Markt ständig mit Füßen getreten wurde. Sie forderten daher vom Staat Wohlfahrtsmaßnahmen, die jedem Bürger ein privates Eigentum als Sphäre seiner eigenen Freiheit garantieren sollte. Diese Richtung repräsentierte das Kleinbürgertum, die Handwerker oder Ladenbesitzer, die ihre ökonomische Existenz durch die Großunternehmer und -händler gefährdet sahen.

Die andere Richtung waren die sogenannten „Sansculotten“, die statt der adligen Kniebund- lange Hosen trugen. Sie forderten die Abschaffung des Privateigentums zugunsten eines gemeinschaftlichen Eigentums, um den vorhandenen Reichtum auf dieser Grundlage zum Wohle aller zu gebrauchen. Sie waren die politischen Repräsentanten der großen Masse der eigentumslosen Arbeiter und Bauern in Frankreich.


Die erste Richtung innerhalb der Linken, die Jakobiner, hatten ihren Vordenker und Helden in Jean-Jacques Rousseau, der mit seinem Werk über den „Gesellschaftsvertrag“ die politische Vorlage für die Einrichtung einer solidarischen Gesellschaft von Freien und Gleichen gegeben hatte.

Die andere Richtung hingegen, die Sansculotten, deren Sprecher vor allem François Noël Babeuf (Gracchus Babeuf) mit seinem „Manifest der Plebejer“ war, tat sich sichtlich schwer, ihre Forderung nach einem gemeinschaftlichen Eigentum sowohl als ein legitimes Recht zu begründen als auch konkret als ein umfassendes Gesellschaftsmodell zu konzipieren. In der weiteren Folge kam es erst in Frankreich, dann auch in Großbritannien und schließlich den USA zu immer neuen Konzeptionen und Experimenten der sog. „Frühsozialisten“ wie Charles Fourier oder Robert Owen, um Produktions- und Konsumgenossenschaften auf der Basis eines gemeinschaftlichen Eigentums zu errichten und am Leben zu erhalten.



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