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Die damalige Rede vom „Spätkapitalismus“

Die Älteren werden sich sicher noch gut daran erinnern, dass bis in die 70er Jahre die Rede vom „Spätkapitalismus“ zur Kennzeichnung der Gegenwart gang und gäbe war. Diesen Begriff hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Soziologe Werner Sombart geprägt, und er stand noch auf dem Frankfurter Soziologentag im Jahre 1968 im Zentrum der Debatten.


Die Verwendung dieses Begriffs, so deute ich das, hatte damals die Gewissheit der Linken zum Ausdruck gebracht, dass die noch bestehenden privatkapitalistischen Eigentums- und Produktionsverhältnisse schon mit den Elementen einer neuen, einer sozialistischen Gesellschaft des gemeinschaftlichen Eigentums schwanger gehen, und dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Kapitalismus abgestorben und der Sozialismus geboren sein wird. Von ihm zehrte denn auch die weltweite Studentenbewegung der 60er und 70er Jahre.


Bei allen unterschiedlichen Ausdeutungen formulierte der Ausdruck „Spätkapitalismus“ gleichsam das gemeinsame Narrativ aller Linken, das von den Philosophen wie Ernst Bloch als „Prinzip Hoffnung“ oder von Herbert Marcuse als „Vernunft und Revolution“, und dann schließlich in den 70er Jahren noch mal von Jürgen Habermas geschichtsphilosophisch und wirkmächtig ausbuchstabiert wurde.


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